Über die Mondbrücke gehen,
der Fluss, die Stadt
auf dem Felsen,
bewaldete Hügel,
Rosen.
Land der Kindheit,
Felsengebirge
mit offenen Toren,
ein feenverzauberter
Wiesengrund.
Drüben steigt schon
Helligkeit auf,
den Horizont entlang
weht ein Band
aus Apfelblüten.
(16. November 2023, für Verena)
Kategorie: Lyrik
Schatten bauen in der Dämmerung
alles noch einmal, das Haus vom Zaun bis zum Giebel,
verdoppeln die Reihen der Bäume und bedecken
den Boden mit einem Seidenteppich aus Schlaf.
Blumen begegnen ihren dunkleren Schwestern.
Auch du suchst ein stilleres, sanfteres Sein anzuziehen,
suchst es in alten Koffern, Kleiderschränken,
Büchern und hebst im Honigkreis deiner Lampe
von einem Stapel Papier beiläufig
die Tage, wiegst und wendest sie leicht in der Hand.
Wind kommt auf und im Fensterflügel erscheint
unverschleiert dein eigenes fremdes Gesicht.
Als Schwager der Sonne tritt am Ende der Mond hervor,
aschblond, sein Haar in magere Zöpfe geflochten,
richtet der Gute sich ein, noch Stunden zu bleiben.
Im Zimmer spannt dein Kind seinen Bogen und stimmt
die Saiten der Geige bis an den tiefsten Ton.
Du fragst nicht, ob es
das Ende sei
doch der See schreibt sich dir
wasserblau in die Seele
und haltlos versinkt der Himmel
in seinem Spiegelbild
darunter versunken
verloren der goldene Ring
WIND erhebt sich mit einem Mal
wie ein unsichtbarer Vogel,
mitten ins Gesicht
weht dir sein Atem.
Auch der Baum spürt es,
er tritt heraus aus der Gruppe der Bäume
und ein Strömen erfasst sein Laub,
bewegt einen Zweig um den andern,
trägt und wiegt vertraut
seine aufgerichteten Arme,
zieht an der Festigkeit,
die er selbst gebaut,
und flüstert in alles Starre,
bis ins Innere der Sprache, seine und deine.
Den Kopf im Wind,
finden wir Worte.
……
